Von der Vision über das Leitbild zu Zielen und Maßnahmen

Menschen, die in Einrichtungen und Projekten der Gesundheitsförderung und Prävention arbeiten, haben in der Regel eine Vision, eine treibende Kraft, die ihrer Tätigkeit zugrunde liegt. Nicht immer wird sie in Teams auch ausgetauscht, sondern eher vorausgesetzt, dass die Kolleg/inn/en mit einer ähnlichen Vision arbeiten. Für die Zusammenarbeit, vor allem im Hinblick auf die Formulierung einer gemeinsamen Einrichtungsphilosophie in einem Leitbild und von konkreten Zielen und Maßnahmen für die Arbeit kann es hilfreich sein, diese explizit zu machen und auszutauschen.

Grafik: Von der Vision über das Leitbild zu Zielen und Maßnahmen

Abb. 1: Darstellung von Unger, Block, Wright 2008

Vision

Leitfrage: „Was will ich für die Gesellschaft erreichen?“

Eine Vision ist ein lebendiges, positives Bild einer erstrebenswerten Zukunft, ein motivationsförderndes Foto einer verbesserten Wirklichkeit. In der Prävention und Gesundheitsförderung ist eine Vision ein ehrgeiziges Anliegen, wie das Gesundheitsverhalten und die Verhältnisse, in denen eine Zielgruppe lebt, in der Zukunft aussehen sollen. Sie ist in der Regel eine Zielvorstellung, die über das kurzfristig Machbare hinaus weist und mit den Möglichkeiten eines einzelnen Projektes kaum zu erreichen ist. Eine Vision nährt das Engagement für eine gemeinsame Sache und spiegelt eine (Berufs-)Ethik, Grundwerte und Überzeugungen, wie es Menschen in dieser Welt gehen soll wider.  

Eine Vision, die sich auf die Gesundheit bezieht könnte wie folgt lauten:

„Gesundheit und soziale Teilhabe für sozial Benachteiligte“

Die Verständigung in einer Einrichtung über die Visionen der einzelnen Mitarbeiter/innen kann zu einer Konkretisierung der Anliegen führen; weg vom Einzelnen und seiner Frage: „Was will ich für die Gesellschaft erreichen?“ hin zu einer gemeinsamen Formulierung von: „Was wollen wir mit unserem Projekt für die Gesellschaft erreichen?“. Ein Projekt(team) einigt sich über eine Schnittmenge von Visionen, die sowohl einer Verständigung und Konsistenz nach Innen dienen als auch die Außendarstellung erleichtern. Eine schriftliche Fassung dieser gemeinsamen ‚Linie’ ist identitätsbildend und mündet in ein Leitbild.

Leitbild

Leitfrage: „Was will ich mit meiner Einrichtung erreichen?“

Ein Leitbild drückt die Mission und die „Philosophie“ eines Projektes oder einer Einrichtung aus. Es gibt Auskunft über die angestrebte Identität der Einrichtung/des Projektes. Es sollte kurz und prägnant sein und erfüllt dabei einerseits die Funktion einer Orientierung und andererseits der Selbstverpflichtung. Neben der Darstellung der Einrichtung werden Werte, Grundhaltungen, Ideen, Handlungsweisen und Qualitätsansprüche an die eigene Arbeit thematisiert. Die Erstellung eines Leitbildes ist ein Aushandlungsprozess, der in regelmäßigen Abständen wiederholt werden sollte, da sich Teams, Anforderungen an sie und die Bedingungen, unter denen sie arbeiten, sich ändern können.

In einem Leitbild könnte sich die oben genannte beispielhafte Vision folgendermaßen niederschlagen:

„Wir streben an, die Gesundheit von sozial Benachteiligten in unserem Stadtteil zu fördern.“

Ein nächster Schritt hin zu einer Konkretisierung der Absichtserklärungen, die in dem Leitbild enthalten sind, ist die Formulierung von Zielen. Diese führen wiederum zur Entwicklung von Maßnahmen für die Zielgruppe, im oben genannten Beispiel sozial Benachteiligte in einem bestimmten Stadtteil.

Ziele auf der Ebene von Maßnahmen

Leitfrage: „Was will ich durch meine Maßnahme erreichen?“

In der partizipativen Qualitätsentwicklung werden Ziele gemeinsam mit allen Beteiligten (Zielgruppe, Einrichtung, Geldgeber und ggf. andere Kooperationspartner) entwickelt

Ein Hilfsmittel zur Entwicklung von Zielen und Meilensteinen (Teilzielen) ist die Methode zur Entwicklung von lokalen Zielen und Wirkungswegen (ZiWi). Unterstützend zur Formulierung der einzelnen Ziele bieten sich die SMART-Kriterien an. Je genauer eine Zielgruppe charakterisiert wird, umso klarer lassen sich die Ziele, die mit einer Maßnahme für sie erreicht werden sollen, festlegen.

Ein SMART formuliertes Ziel könnte lauten:

„Bis zum Jahr XX haben mehr Kinder, die aus sozial benachteiligten Familien in unserem Stadtteil kommen, beim Schuleintritt ein Gewicht, das ihrer Größe, ihrem Alter und ihrem Geschlecht angemessen ist.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen u. a. Interventionen geplant und durchgeführt werden, die die gesunde Ernährung und Bewegung fördern.

Maßnahmen / Interventionen

Leitfrage: „Was werde ich tun, um mein Ziel zu erreichen?“

bestimmtes Ziel in einem bestimmten Zeitraum zu erreichen. Sie kann auf der Ebene des Individuums bzw. seiner Familie, der Ebene des Settings oder auch auf der Bevölkerungsebene ansetzen. Beeinflusst werden sollen das Verhalten und/oder die Verhältnisse. Eine Darstellung angelehnt von Rolf Rosenbrock (2003), die im Projekt: Erfahrung nutzen – Wissen vertiefen – Praxis verbessern überarbeitet wurde, veranschaulicht dieses.

In unserem Beispiel zum Normalgewicht von sozial benachteiligten Kindern in einem Stadtteil könnte eine Maßnahme im Setting Kindergarten wie folgt aussehen:

Bereitstellung von gesunden Snacks und zuckerfreien Getränken im Kindergarten (Verhältnisprävention). Gemeinsames Zubereiten von gesunden Mahlzeiten mit Kindern, Eltern und Erzieher/inne/n (Verhaltensprävention).

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Autor/innen: Block/Unger/Wright