Praxisbasierte Evidenz

Im Allgemeinen bedeutet in den Gesundheitswissenschaften die Forderung nach einer „evidenzbasierten Praxis“, dass ausreichende Nachweise („Evidenz“) für die Wirksamkeit einer Intervention wissenschaftlich erbracht werden, bevor diese für die Praxis freigegeben wird. Das Experiment soll die beste Grundlage für die Nachweisbarkeit liefern. Durch kontrollierte Versuche wird eine Intervention danach geprüft, ob sie eine quantifizierbare, statistisch signifikante Wirkung hinsichtlich des Gesundheitsproblems hat, und das Ausmaß dieser Wirkung bei der Zielgruppe wird eingeschätzt.

Experimente sind jedoch in der Gesundheitsförderung und Prävention bei sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen selten realisierbar. Es gibt auch andere praktische, wissenschaftliche und ethische Gründe, warum evidenzbasierte Praxis im herkömmlichen Sinne für dieses Arbeitsfeld nicht geeignet ist. Als Alternative steht der Begriff „praxisbasierte Evidenz“. In der „evidenzbasierten Praxis“ liegt die Bestimmungsmacht über die Erzeugung und Deutung von Daten zur Beurteilung der Praxis bei der Wissenschaft. Demgegenüber steht „praxisbasierte Evidenz“ für den Ansatz, aus den Strukturen und Logiken der Praxis heraus Nachweise über die Wirksamkeit von Interventionen zu liefern, die für die Verbesserung der Praxis direkt anwendbar sind. Dabei spielt die Wissenschaft eine begleitende aber keine bestimmende Rolle. Dieser Ansatz verspricht jeweils aktuelle Erkenntnisse, die sich in die praktische Arbeit gut integrieren lassen und dadurch die Lernprozesse der Praktiker/innen unmittelbar fördern.

Im Rahmen der Partizipativen Qualitätsentwicklung wird in erster Linie „lokale Evidenz“ hergestellt. Das heißt, Anhaltspunkte für die Wirksamkeit von Interventionen in einem spezifischen Zusammenhang, zu einem spezifischen Zeitpunkt, an einem spezifischen Ort werden geprüft, damit die Arbeit einer Einrichtung vor Ort verbessert werden kann.

Autor/inn/en: Wright/Block/Unger