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Blitzbefragung

Kurzbeschreibung

Eine Blitzbefragung ist eine kurze themenspezifische Erhebung, die vor allem durch Methoden aus der Entwicklungszusammenarbeit (Rapid [Rural] Appraisal bzw. Rapid Assessment) und die Marktforschung bekannt wurde. Die Befragung kann mündlich oder schriftlich durchgeführt werden. Sie sollte 10 Minuten oder weniger Zeit in Anspruch nehmen.

Die Stärke von Blitzbefragungen ist, dass sie sich wegen ihres geringen Umfangs in die aufsuchende praktische Arbeit integrieren lassen und dadurch viele Personen erreicht werden können, die sonst nicht an Befragungen teilnehmen.

Voraussetzungen

  • Ein konkretes, klar formuliertes Anliegen
  • Mitarbeiter/innen, die in der Durchführung der Befragung geschult sind

Anwendungsbereiche

  • Feststellung des Bedarfs einer Zielgruppe
  • Testen eines Projektkonzepts
  • Entwicklung neuer Ideen für die Projektarbeit
  • Überprüfung der Akzeptanz eines Angebots
  • Untersuchung der Wirkung eines Angebots

Arbeitsschritte im Überblick

  • Festlegen eines Themas für die Befragung
  • Entwicklung der Fragen
  • Festlegung der Art der Befragung
  • Einführung der Mitarbeiter/innen in die Durchführung der Befragung
  • Auswertung der Ergebnisse

Aufwand

Zeit:
Die Vorbereitungszeit der Blitzbefragung kann variieren (Arbeitsschritte 1.-3.). Das Einführen der Mitarbeiter/innen in die Durchführung der Befragung kann im Rahmen einer Teamsitzung geschehen. Die Befragung der einzelnen Personen dauert maximal 10 Minuten. Die Dauer der Auswertung hängt von Fragestellung sowie von den Ansprüchen der Einrichtung ab.

Personal:
Die Befragung kann von einem/einer Mitarbeiter/in entwickelt werden. Empfehlenswert ist die Absprache der Inhalte und der geplanten Art der Befragung mit Mitarbeiter/inne/n, die direkten Kontakt zur Zielgruppe haben, um die Handhabbarkeit und Praxistauglichkeit im Voraus zu überprüfen. Wie viele Mitarbeiter/innen an einer Blitzbefragung beteiligt sind, ist vom Umsetzungsbereich abhängig.

Material:
Die Fragestellung sollte allen Mitarbeiter/inne/n in schriftlicher Form vorliegen, die die Befragung durchführen sollen. Wenn die Zielgruppe die Befragung in Form von gedruckten Bögen ausfüllen soll, dann muss die entsprechende Anzahl an Bögen bereitgestellt werden.

Andere Kosten:
Keine.

Arbeitsschritte im Einzelnen

1. Festlegen eines Themas für die Befragung

Was – Wer – Wo – Wie?
Ein klar definiertes Thema ist eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg einer Blitzbefragung. Das Thema soll in einer leicht verständlichen Frage (Leitfrage) zusammengefasst werden können.

2. Entwicklung der Fragen

Die Fragen sollen dazu dienen, die Leitfrage zu beantworten. Die Fragen sollen klar formuliert und schnell zu beantworten sein. Sie müssen sprachlich an die Zielgruppe angepasst, eindeutig und verständlich sein. Ebenfalls muss festgelegt werden, ob es vorformulierte Antwortkategorien gibt oder die Antworten frei gegeben werden können.

3. Festlegung der Art der Befragung

Die Befragung ist so durchzuführen, dass möglichst viele Personen aus der Zielgruppe erreicht werden. Hier sind Zielgruppenverständnis und Kreativität erforderlich. Kurze Befragungen bieten die Möglichkeit, die Fragestellung in diverse laufende Arbeitsprozesse zu integrieren (s. unten „Weitere Tipps“).

4. Einführung der Mitarbeiter/innen in die Durchführung der Befragung

Alle Mitarbeiter/innen, die an der Erhebung beteiligt sind, werden in die Durchführung der Befragung eingeführt. Hierbei wird erklärt, wo und wie die Befragung stattfinden soll, wie die Informationen festgehalten werden und wie eine maximale Beteiligung der Zielgruppe an der Befragung gefördert werden können.

5. Auswertung der Ergebnisse

Die Auswertung der Ergebnisse ist von der Art der Fragestellung abhängig. Bei einfachen Fragen (z.B. mit der Antwort ja oder nein) kann die Aussage eindeutig sein, wenn es lediglich darum geht, die Mehrheitsmeinung zu bestimmen. Bei vielen Fragestellungen ist jedoch das Erkenntnisinteresse der Einrichtung differenzierter, dadurch entstehen bei der Auswertung der Ergebnisse viele Unsicherheiten, vor allem in Bezug darauf, wie die Antworten zu den einzelnen Fragen miteinander zusammenhängen. In diesem Fall ist es ratsam, die Hilfe einer Person mit wissenschaftlichem Hintergrund und Erfahrung in der Auswertung von Fragebögen in Anspruch zu nehmen.

Achtung !

- Die Blitzbefragung kann wegen ihres eingeschränkten Umfangs nur eine begrenzte Fragestellung berücksichtigen. Wenn mehrere Themen behandelt werden sollen, kann – unter Berücksichtigung eines aus Sicht der Zielgruppe erträglichen zeitlichen Abstandes – eine Reihe von Blitzbefragungen durchgeführt werden.

- Für viele Einrichtungen sind die ersten zwei Arbeitsschritte die allerschwersten. Ein spezifisches Thema festzulegen und angemessene Fragen zu formulieren kann oft eine große Herausforderung darstellen. Es ist ratsam, genug Zeit hierfür einzuplanen.

Weitere Tipps

- Die Übersichtlichkeit der Blitzbefragung ermöglicht, dass die Fragen in praxisübliche Gespräche mit der Zielgruppe integriert werden, ohne den Charakter dieses Gesprächs zu stören. Der Anfang oder das Ende des Gesprächs sind oft die günstigsten Zeitpunkte für die Fragestellung.

- Die Blitzbefragung lässt sich in Öffentlichkeits- oder Aufklärungs-Aktionen gut integrieren – z.B. am Messestand, in Kneipen, in Einkaufsstraßen.

- Die Blitzbefragung ist wegen des geringen Umfangs und kurzer Ausfülldauer für Internetseiten gut geeignet.

- Wie bei allen Befragungen ist es nützlich, einen Probelauf durchzuführen. Das heißt, Personen aus der Zielgruppe bekommen die Fragen gestellt, und dann werden sie gefragt, wie sie die Fragen und die Art der Befragung beurteilen und ob sie Verbesserungsvorschläge haben.

- Aufschlussreich als Zusatz zu vorformulierten Antworten kann eine offene Frage sein, z. B. „Was wollen Sie uns sonst noch mitteilen?“.

- Die Formulierung der Fragen, die beteiligten Mitarbeiter/innen, der Ort der Befragung und die Form der Rückmeldung (schriftlich oder mündlich) sollen so ausgewählt werden, dass eine möglichst starke Beteiligung der Zielgruppe erreicht wird. Hier steht die Akzeptanz der Zielgruppe im Mittelpunkt.

- Die Erfassung einiger für die Einrichtung bzw. für die Fragestellung wichtiger persönlicher Merkmale ermöglicht eine differenziertere Auswertung, z.B. nach Geschlecht, Alter, ethnische Herkunft.

- Wenn die Blitzbefragung durch Vertreter/innen der Zielgruppe selbst durchgeführt wird, kann die Bereitschaft zur Teilnahme an der Befragung erhöht werden. Menschen aus der Zielgruppe haben einen direkten Zugang zu wichtigen Orten der Lebenswelt der Gruppe und werden dort auch nicht als „Fremdkörper“ wahrgenommen. Dafür müssen Zielgruppenvertreter/innen gewonnen werden und in die Durchführung der Befragung geschult werden.

Autor/inn/en: Block/Unger/Wright

Literatur und Links

Zum Rapid Appraisal:
Beebe, J. (1995). Basic Concepts and Techniques of Rapid Appraisal. Human Organization, Vol. 54, No. 1, pp.42-51.

Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO): http://www.fao.org/docrep/W3241E/w3241e09.htm

Anschauliche Präsentation von D. Sarrazin (2004) über Rapid Assessment and Response: http://www.lwl.org/ks-download/downloads/searchII/Doris%20Sarrazin_RAR.pdf

Ressourcen zur Fragebogenentwicklung und Auswertung:
Kostenlose Software zur Erstellung und Auswertung von Fragebögen: www.grafstat.de 
Statistiklabor der Freien Universität Berlin: http://www.e-learning.fu-berlin.de/werkzeuge/lernsoftware/statistiklabor/index.html

Fragebogen: http://www.quint-essenz.ch/de/files/Fragebogen_20.pdf

Moser, H (2003). Instrumentenkoffer für den Praxisforscher. Freiburg: Lambertus.