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Methode der Projektlogik (PL-Methode)

Kurzbeschreibung

Die Methode der Projektlogik (PL) bietet die Möglichkeit, Ressourcen, Planungsaktivitäten, Intervention und erwartete Ergebnisse mit einander in Beziehung zu setzen und visuell darzustellen. Dadurch wird die zugrunde liegende Logik aller Interventionsphasen erkennbar. Die Methode der Projektlogik (PL), die auf dem seit ca. 30 Jahren international verwendeten Ansatz des Logic Models basiert, ist als Planungsinstrument besonders geeignet und bietet eine fundierte Grundlage für die Formulierung von Anträgen.

Voraussetzungen

  • Ausreichend Zeit, um die Elemente der Methode zu ermitteln und schriftlich niederzulegen

Anwendungsbereiche

  • Erstellen eines Projektantrages
  • Bestandsaufnahme erstellen
  • Strategische Interventionsplanung
  • Effektive Kommunikation über geplante oder geleistete Maßnahmen sowohl innerhalb der Einrichtung und als auch gegenüber Außenstehenden
  • Evaluationsplanung
  • Kontinuierliches Lernen und Verbesserung der eigenen Arbeit

Arbeitsschritte im Überblick

  1. Mitarbeiter/innen für die Beteiligung am Prozess gewinnen. Eine Arbeitsgruppe bilden.
  2. Zeit schaffen; regelmäßige Treffen organisieren.
  3. Planungsphase beschreiben (I Bestandsaufnahme der Ressourcen, II Planungsaktivitäten)
  4. Umsetzung beschreiben (III Durchführung der Maßnahme/Intervention,)
  5. Ergebnisse beschreiben (IV unmittelbare Wirkung, V Breitenwirkung)

Aufwand

Zeit:

Die PL-Methode kann unterschiedlich aufwendig sein. Für die Erstellung eines Projektüberblicks kann ein halber Tag Arbeitszeit ausreichend sein. Wenn die Elemente zu einem Projektantrag beitragen sollen, sind dafür mehrere ausführliche Sitzungen plus Zeit für die Recherche und schriftliche Niederlegung notwendig.

Personal:

Bevorzugt sollte die Arbeitsgruppe aus Personen bestehen, die für die Planung und Durchführung der (vorgesehenen) Maßnahme zuständig sind. Die PL-Methode kann aber auch von der Projektleitung bzw. einem/einer delegierten Mitarbeiter/in angewendet werden.

Material:

Materialien zur schriftlichen Niederlegung (Block, Computer etc.). Bereits vorhandene Konzepte etc. als Grundlage.

Andere Kosten:

Ggf. Recherchekosten (Literaturbeschaffung) einplanen.

Arbeitsschritte im Einzelnen

1. Mitarbeiter/innen für die Beteiligung am Prozess gewinnen. Eine Arbeitsgruppe bilden.

Am Prozess sollen Personen beteiligt sein, die zur Planung, Durchführung und Auswertung der (vorgesehenen) Maßnahme beitragen. Je nach Größe des Teams ist es sinnvoll, eine Auswahl von Mitarbeiter/inne/n für die Beteiligung am Prozess zu gewinnen. Nicht nur hauptamtliche Mitarbeiter/innen eines Projekts sondern auch ehrenamtliche Mitarbeiter/innen sowie Vertreter/innen der Zielgruppe kommen hier in Frage.

2. Zeit schaffen; regelmäßige Treffen organisieren.

Für die Sitzung(en) muss ein Zeitfenster geschaffen werden, das in den Arbeitsablauf aller Beteiligten integrierbar ist. Ggf. müssen regelmäßige Treffen organisiert werden.

3. Planungsphase beschreiben

I. Ressourcen / Voraussetzungen

Zu Beginn steht eine Bestandsaufnahme an: Wie viele Mitarbeiter/innen, welche Finanzen und Räumlichkeiten stehen dem geplanten Projekt zur Verfügung bzw. müssen beantragt werden, um die geplante Intervention entwickeln, durchführen und evaluieren zu können? Welche Voraussetzungen bietet die Kommune / Gemeinde bzw. das Setting, die dem Projekt für die Arbeit zur Verfügung stehen?

II. Planungsaktivitäten

Hierzu gehören alle Aktivitäten, die ein Projekt leisten muss, um eine Maßnahme zu entwickeln. Es gehören z.B. Überlegungen dazu, ob eine Weiterbildung von Mitarbeiter/inne/n notwendig ist, um sie für die Durchführung der Intervention zu qualifizieren. Des Weiteren muss geklärt werden, wie die Konzeption der präventiven/gesundheitsfördernden Maßnahme aussehen soll. Auch die Auswahl und die Bestandsaufnahme über den Bedarf der Zielgruppe gehören dazu: Wer soll womit erreicht werden?

4. Umsetzung beschreiben

III. Durchführung der Maßnahme

An dieser Stelle werden alle Aktivitäten im Rahmen des Angebotes, welches für die Zielgruppe geschaffen werden soll bzw. wurde, beschrieben.

5. Ergebnisse beschreiben

IV. Unmittelbare Wirkung

Hier werden erhoffte Ergebnisse der Intervention bei der Zielgruppe oder in ihrer Umgebung aufgeführt/beschrieben.

V. Breitenwirkung

Hier werden die (möglichen) Wirkungen beschrieben, die über die unmittelbaren (zielgruppenbezogen) Wirkungen hinausgehen (Verhältnisprävention). Diese schließen nicht nur beabsichtigte sondern auch unbeabsichtigte Wirkungen ein: Wenn sich beispielsweise im Rahmen eines Sprachkurses für Migrant/inn/en eine Selbsthilfegruppe bildet, die sich für die Belange ihres Quartiers engagiert.

Achtung!

- Es bietet sich an, die PL-Methode zu benutzen, um sich einen Überblick zu verschaffen und dann mit der Methode zur Entwicklung lokaler Ziele und Wirkungswege (ZiWi-Methode) die Projektlogik differenzierter darzustellen.

- Die Schlichtheit der Methode ist Stärke und Schwäche zugleich. Sie erlaubt nicht, in die Tiefe zu gehen. Wirkungswege einer Interventionen werden außer Acht gelassen. Bezüge zum Kontext werden nicht hergestellt.

Weitere Tipps

- Die Methode ermöglicht, einzelne Elemente einer Intervention zu beschreiben, z. B. wenn Zuwendungsgeber bestimmte Informationen abfragen.

- Sie bietet die Grundlage für eine effektivere Kommunikation. Zum einem fördert sie die projektinterne Diskussion und kann damit auch die interne Qualitätssicherung unterstützen. Sie kann aber auch gegenüber Außenstehenden für Transparenz sorgen und eine Argumentationshilfe bieten; z. B.: „Um eine bestimmte Intervention zu entwickeln (Kasten III) benötigen wir folgende Ressourcen (Kasten I), ansonsten können wir die notwendigen Planungsaktivitäten (Kasten II) nicht ausführen.“ (s. Abbildung)

- Wenn alle Elemente bearbeitet werden, können sie als Grundlage für einen Projektantrag dienen.

Autor/inn/en: Block/Unger/Wright

Literatur und Links:

Harvard Familiy Research Project, http://www.gse.harvard.edu/hfrp/

Learning from Logic Models in Out-Of-School Time. http://www.gse.harvard.edu/hfrp/projects/afterschool/resources/learning_logic_models.html

Logic Model Development Guide der Kellogg Foundation, http://www.wkkf.org/Pubs/Tools/Evaluation/Pub3669.pdf

Logic Models Workbook. The Health Communication Unit at the Center for Health Promotion, University of Toronto,
http://www.thcu.ca/infoandresources/publications/logicmodel.wkbk.v6.1.full.aug27.pdf

A Guide to Developing Public Health Programmes: A generic programme logic model. Published in March 2006 by the Ministry of Health, Wellington, New Zealand.
Als pdf-Datei: http://www.moh.govt.nz/moh.nsf/0/3980073CB3F0231ECC257146001881DD/$File/Public-Health-Programmes.pdf

McNamara, C. Guidelines and Framework for Designing Basic Logic Model. http://www.managementhelp.org/np_progs/np_mod/org_frm.htm

Ein Link zum Vergleich der Projektlogik und der Theory of Change (vgl. ZiWi-Methode in diesem Handbuch) http://www.evaluationtoolsforracialequity.org/evaluation/resource/doc/TOCs_and_Logic_Models_forAEA.ppt

Wissenschaftlicher Text über die Erstellung eines „Programmbaums“ für eine wirkungsorientierte Evaluation:
Beywl, W. (2006). Demokratie braucht wirkungsorientierte Evaluation – Entwicklungspfade im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe. In Projekt eXe (Hg) Wirkungsevaluation in der Kinder- und Jugendhilfe: Einblicke in die Evaluationspraxis. München: Deutsches Jugendinstitut.