Praxisbeispiel: Obdachlosensiedlung Mainz

1. Titel:. Klärung der Ziele und Wirkungsweise des „Snoezelenraums“, ein pädagogisches Angebot für Kinder 3-6 Jahre alt (Armut und Gesundheit in Deutschland e.V., Mainz)

Durchführungszeitraum: von Januar 2006 bis Januar 2007

2. Beteiligte Einrichtung/en:

Armut und Gesundheit in Deutschland e.V.

3. Autor/innen:

  • Dr. Michael T. Wright, LICSW, MS (WZB)
  • Prof. Dr. med. Dipl. Soz.-päd. Gerhard Trabert
  • Gisela Bill (Armut und Gesundheit in Deutschland e.V.)
  • Diplom Sozialpädagogin Doris Pfeiffer-Meierer (Armut und Gesundheit in Deutschland e.V.)

3b. Wissenschaftliche Begleitung:

Durch die Forschungsgruppe Public Health, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)

4. Maßnahme der Prävention/Gesundheitsförderung, die qualitätsgesichert wurde:

Armut und Gesundheit in Deutschland e.V. engagiert sich seit 1997 zum Thema gesundheitliche Versorgung für arme Bevölkerungsgruppen mit dem Schwerpunkt Angebote für Obdachlose in Mainz und Umgebung. Das Projekt in der Obdachlosensiedlung „Zwerchallee“ wurde organisiert, um die Gesundheitslage der dortigen Bewohner/innen durch eine Kombination aus verhaltens- und verhältnisorientierten Interventionen zu verbessern.  Innerhalb der Konzeption „Gesundheit jetzt - in sozialen Brennpunkten!“, die einen ganzheitlichen Ansatz zum Thema „Armut und Gesundheit“ vorsieht, aus 7 Handlungsmodulen besteht und von Prof.Dr.Gerhard Trabert entwickelt wurde, ist ein modulärer Bestandteil der so genannte Snoezelenraum. Dieses, ursprünglich aus den Niederlanden stammende Konzept des „Snoezelens“ wird hier erstmalig – so unsere Recherchen – in einem sozialen Brennpunkt in einem derartigen Setting, eingesetzt. In einem weißen, schlicht eingerichteten Raum werden unterschiedliche Gegenstände verwendet, um durch primäre Reize (Licht, Musik, Gefühl, Geruch oder Geschmack) die sinnliche Wahrnehmung und Erfahrung der Teilnehmer/innen zu aktivieren. Kinder und Jugendliche aus der Obdachlosensiedlung werden eingeladen, den Raum zu nutzen, mit dem Ziel, eine positive, ganzheitliche Entwicklung bei ihnen zu fördern.

5. Zielsetzung der Qualitätssicherung:

In einer Zusammenarbeit mit dem WZB wurde der Beitrag des Snoezelenraums zur Entwicklung von Gesundheitskompetenzen bei Kindern zwischen 3-6 Jahren (einer Hauptzielgruppe der Intervention) geklärt.

6. Nutzen:

Die Beschreibung der Ziele und Wirkungen des Snoezelenraums konnte bereits für Gespräche mit verschiedenen Akteuren – auch potentiellen Geldgebern – eingesetzt werden. Zudem wurde sie Grundlage eines Dokumentationsbogens, auf dem jede Snoezeleneinheit genau dokumentiert wird.

7. Methodisches Vorgehen:

Die Methode zur Entwicklung lokaler Ziele und Wirkungswege (ZiWi) wurde angewendet.

8. Ergebnisse der Qualitätssicherung:

Die resultierende detaillierte Beschreibung des Snoezelenraums als gesundheitsförderliche Maßnahme wurde in Form einer Matrix und eines Fließtextes schriftlich festgehalten und wird in Gesprächen mit Geldgebern und anderen Akteuren zur Erklärung der Intervention eingesetzt. In einem weiteren Evaluationsprojekt „Qualiset-Praxis“ (Dr. Ingeborg Jahn, BIPS/Dr. Doris Hayn, ISOE/Armut und Gesundheit in Deutschland e.V.) wurden Matrix und Fließtext als Grundlage zu einer sehr differenzierten Dokumentationstabelle für jedes einzelne Kind genutzt.

9. Erfahrungen und Tipps:

  • Die Projektkoordinatorin empfiehlt eine wissenschaftliche Beratung vor allem zu Beginn eines Projektes. Der Schwerpunkt soll bei der Frage liegen, wie mit einfachen, nicht zu zeitintensiven Methoden eine gute Dokumentation der Arbeit stattfinden kann und nach welchen Kriterien die Qualität der Arbeit beurteilt und weiterentwickelt werden kann. Dazu braucht man eine externe Beratung und die entsprechende Arbeitszeit.
  • Es wurde deutlich wie kompliziert es sein kann, Ziele zu definieren (wie zum Beispiel: Gesundheitskompetenz der Kinder zu erweitern, Körperbewusstsein entwickeln usw.) und sich dabei nicht in der Anwendung der ZiWi-Methode auf einen falschen Pfad zu begeben.
  • Die Außensicht einer externen Beratung wirkt der Gefahr der Betriebsblindheit im hektischen Arbeitsalltag entgegen und gibt dazu immer wieder Impulse, um auf die Sicherung der Qualität zu achten.

10. Anschauungsmaterial/ Dokumente zum Download:

Ergebnisse der ZiWi-Methode: