Praxisbeispiel: Präventionsteam Kinderschutz Berlin

1. Titel: Konzeptuelle Arbeit in der Gewalt- und Missbrauchsprävention für Kinder

Durchführungszeitraum: von Januar 2006 bis Dezember 2007

2. Beteiligte Einrichtung/en:

Präventionsteam Kinderschutz des Jugendamtes im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg

3. Autor/innen:

  • Ilse Haase, Dipl. Soz. Päd. (Präventionsteam Kinderschutz)
  • Elke Markert, Dipl. Soz. Päd. (Präventionsteam Kinderschutz)
  • Dipl.-Psych. Martina Block, MPH (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung)

3b. Wissenschaftliche Begleitung:

Durch die Forschungsgruppe Public Health, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)

4. Maßnahme der Prävention/Gesundheitsförderung, die qualitätsgesichert wurde:

Prävention von sexuellem Missbrauch und Gewalt an Kindern

Das Präventionsteam Kinderschutz bietet eine missbrauchs- und gewaltspezifische Prävention an, die eingebunden ist in eine ganzheitliche Lebenskompetenzförderung. Das Angebot ist ein Interventionsprogramm bestehend aus Modulen, die sich den jeweiligen Gruppen und sozialräumlichen Gegebenheiten spezifisch anpassen lassen. Es ist kultursensibel, berücksichtigt religiöse Unterschiede innerhalb der Zielgruppe, enthält geschlechtsspezifische Module und findet im Setting Schule statt.

Zielgruppe der Missbrauchsprävention sind Grundschülerinnen und Grundschüler der 2.-4. Klasse und ihre Bezugspersonen (Eltern/Lehrerinnen). Die Veranstaltung ist jeweils dreitägig und wird von vier Personen (zwei Mitarbeiterinnen des Teams und den Praktikant/inn/en) vor Ort in den Schulen der Bezirke durchgeführt.

Eine zweite Zielgruppe sind Schüler/innen der 6. Klassen, denen ein ebenfalls dreitägiger sexualpädagogischer Workshop „Gefühle in meinem Körper“ in den Gruppenräumen der Erziehungs- und Familienberatungsstelle angeboten wird.

5. Zielsetzung der Qualitätssicherung:

Die Ziele der Beratung waren:

  • Erarbeitung von Wirksamkeitsnachweisen der Prävention bei der Zielgruppe (inkl. Erarbeitung einer Dokumentation)
  • Zusammenführung der konzeptuellen Bausteine der präventiven Arbeit

6. Nutzen:

Komprimierte Dokumentationsbögen werden vom Team in erster Linie für eine formative Evaluation benutzt. Sie dienen einer täglichen Qualitätskontrolle und damit der Weiterentwicklung der Arbeit. Anhand der Protokolle der Präventionstage kann im Anschluss an jedes Modul überprüft werden, ob alle relevanten Themen angesprochen wurden und wie die Resonanz bei der Zielgruppe war. Dieses bildet eine stabile Grundlage für die Reflexion der Präventionsarbeit.

Nach dem Ende der Beratung ist eine neue Zielgruppe (Klassen 1-3 jahrgangsübergreifend) hinzugekommen. Da die Einrichtung nunmehr über ein Instrumentarium verfügt, mit dem es überprüfen kann, ob es seine Ziele erreicht und diese den Kindern angemessen sind, hat die Adaptation der Intervention nahtlos funktioniert. Hierzu hat die die konzeptionelle Vorarbeit maßgeblich beigetragen.

Die Explikation der Vision, die Erarbeitung des Leitbildes und schließlich die Zusammenführung des Konzeptes haben die innere Klarheit und Qualität der Außenwirkung gefördert. Das berufliche Selbstbewusstsein hat sich gesteigert.

Die Qualitätssicherung hat einen Nutzen erbracht für:

  • die Außendarstellung der Maßnahme
  • die eigene professionelle Entwicklung
  • die Einrichtung (politischer Nutzen)
  • die praktische Präventionsarbeit
  • für die Ausbildung der PraktikantInnen der Sozialarbeit

7. Methodisches Vorgehen:

In der Beratung zur Partizipativen Qualitätsentwicklung wurden zwei Zielsetzungen verfolgt. An erste Stelle stand die Erarbeitung von Wirksamkeitsnachweisen der Prävention bei der Zielgruppe. Das zweite Ziel war die ausführliche schriftliche Niederlegung und Zusammenführung der konzeptuellen Bausteine der präventiven Arbeit zur Verbesserung der inneren Klarheit und Transparenz nach Außen. Im Zuge der Bearbeitung dieser Ziele wurden weitere Arbeitsschritte aufgeworfen: Explikation des Gesamtzieles der Prävention und der Teilziele, eine Überarbeitung der Dokumentation, die Daten für den Wirksamkeitsnachweis liefert und die Erarbeitung eines Leitbildes für die Außendarstellung.

Der lange Beratungszeitraum von zwei Jahren hat ermöglicht, dass mehrere Ziele und Teilzeile, die miteinander verbunden waren, bearbeitet werden konnten.  Zur Erarbeitung von Wirksamkeitsnachweisen wurde zunächst die Frage geklärt, welche Präventionsziele mit der Gewalt- und Missbrauchsprävention erreicht werden sollen. Das Präventionsteam tauschte sich über Visionen und Gesamtziele der Arbeit aus. Für jedes Modul wurden die zu erreichenden Teilziele anhand der Methode zur Entwicklung von lokalen Zielen und Wirkungswegen (ZiWi-Methode) spezifiziert, die dann in Dokumentationsbögen eingingen. Ebenfalls zur Anwendung kamen die SMART-Kriterien zur exakten Formulierung der Ziele. Die teaminterne Diskussion der Visionen, der Gesamt- und Teilziele hat zur Formulierung eines Leitbildes geführt.

Die mehrfache Anwendung der Dokumentationsbögen zeigte deren Übergenauigkeit und den immensen Zeitaufwand, sie zu bearbeiten. In einem Überarbeitungsprozess wurden sie der täglichen Praxis angepasst und zusammengefasst. Sie werden jetzt in den Projektmodulen vor allem im Sinne einer formativen Evaluation zur Optimierung der Intervention eingesetzt.

Das Zusammenführen aller bestehenden und im Rahmen der Beratung entwickelten konzeptuellen Elemente mündete in einem ausführlichen Konzept des Präventionsteams. Eine komprimierte Fassung davon wurde als Broschüre vervielfältigt und dient somit der Transparenz nach Außen.      

Angewandte Methoden:

8. Ergebnisse der Qualitätssicherung:

Das komprimierte Dokumentationssystem ist gut in den Praxisalltag integrierbar. Die Ergebnisse werden während der Projektdurchführung im Sinne einer formativen Evaluation genutzt.

Das Zusammenführen der konzeptuellen Bausteine in ein Gesamtkonzept hat einem langjährigen Wunsch der Einrichtung entsprochen. Es wurde eine kurze Broschüre für die Außendarstellung verfasst, die bei Kolleg/inn/en, Vorgesetzten und Politiker/innen auf eine sehr positive Resonanz gestoßen ist. Zusätzlich ist ein ausführliches Konzept für den internen Gebrauch entstanden, das die Nachhaltigkeit der präventiven Arbeit sichern kann. Zukünftige Praktikant/inn/en und Kolleg/inn/en können sich anhand des Konzeptes in die Denk- und Arbeitsweise des Präventionsteams einarbeiten. All das hat zu einem Empowerment im Sinne einer Erhöhung des beruflichen Selbstbewusstseins der Einrichtung beigetragen.

9. Erfahrungen und Tipps:

In den Arbeitsalltag Zeit für das Qualitätsmanagement einzubauen, zahlt sich aus.  Es ist empfehlenswert, feste Zeiten dafür einzuplanen.

10. Materialien zum Download:

Broschüre des Präventionsteams Kinderschutz: "Prävention von sexuellem Missbraucht und Gewalt an Kindern"