Praxisbeispiel: Schutzengel Flensburg

1. Titel:

Evaluation der Krisenintervention bei Müttern mit Kindern von 0-3 Jahren

Durchführungszeitraum: von Februar 2006 bis Dezember 2007

2. Beteiligte Einrichtung/en:

Schutzengel e. V. Flensburg Nord

3a. Autor/innen:

Schutzengel e. V. Nord:

  • Heike Menge, Familienbegleiterin, Leitung
  • Kirsten Sydow, Familienbegleiterin
  • Gisela Abrahamsen, Ärztin
  • Anne-Joke Laabs, Familienhebamme
  • Claudia Diestel, Mitarbeiterin im Elterntreffpunkt

Dipl.-Psych. Martina Block, MPH (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung)

3b. Wissenschaftliche Begleitung:

Durch die Forschungsgruppe Public Health, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)

4. Maßnahme der Prävention/Gesundheitsförderung, die qualitätsgesichert wurde:

Krisenintervention

Schutzengel e.V. ist in der Flensburger Neustadt angesiedelt und wurde 2000 gegründet. Beraten werden Familien und Alleinerziehende mit Kindern von null bis drei Jahren in schwierigen sozialen Lagen.

Die Arbeit von Schutzengel e. V. Flensburg Nord ruht auf drei Säulen: 1. Elterntreffpunkt, 2. Familienhebammen und 3. Familienbegleiterinnen. Das Team bietet niedrigschwellige aufsuchende Arbeit sowie niedrigschwellige Angebote für Eltern mit Kindern unter drei Jahren an. Sie sind der Prävention  und der Gesundheitsförderung zuzuordnen. Der Schwerpunkt der Beratung zur Partizipativen Qualitätsentwicklung lag auf Krisenintervention bei Nutzer/inne/n des Schutzengels.

5. Zielsetzung der Qualitätssicherung:

Ziel der Beratung war
- Erarbeitung von Wirksamkeitsnachweisen (Evaluation) der Krisenintervention bei Müttern im sozialen Brennpunkt Flensburg Nord

6. Nutzen:

Der Prozess der Qualitätsentwicklung war für das Team nützlich. Es hat „Denkanstöße“ bekommen und Ideen generiert. Die Auseinandersetzung miteinander und mit den Inhalten der Arbeit hat Veränderungen bewirkt. Mit Hilfe der Indikatioren, die mit der ZiWi-Methode entwickelten wurden, konnte die Zielerreichung der Krisenintervention (anonym) überprüft werden. Die Blitzbefragung kann schnell und ohne viel Aufwand durchgeführt und ausgewertet werden. Die Ergebnisse fließen in die zukünftige Präventionsarbeit ein.

Die Qualitätssicherung hat einen Nutzen erbracht für:

  • die Außendarstellung der Maßnahme
  • die eigene professionelle Entwicklung
  • die praktische Präventionsarbeit
  • Transparenz der Basisarbeit gegenüber dem Vorstand

7. Methodisches Vorgehen:

In der Beratung zur Partizipativen Qualitätsentwicklung wurde die Methode zur Entwicklung von lokalen Zielen und Wirkungswegen (ZiWi-Methode) zur Erarbeitung einer Evaluation der Krisenintervention eingesetzt. Nach der Bestimmung der Adressaten wurde die ZiWi-Methode für die Krisenintervention benutzt, eine Maßnahme u. a.  im Rahmen der Vermeidung von Kindeswohlgefährdung. Eine detaillierte Beschreibung der Teilziele/Meilensteine auf dem Weg zur Bewältigung der Krise folgte. Neben den Teilzielen, die die Klientinnen auf dem Weg aus der Krise erreichen müssen, wurden ergänzend auch die jeweiligen Interventionen seitens der Familienberaterinnen bzw. der Familienhebamme aufgeführt. Eine Mitarbeiterin verfasste anhand dieser Aufstellung einen Fließtext zur Krisenintervention. Auf dieser Basis wurden Indikatoren für die Evaluation der Krisenintervention bei den Klientinnen entwickelt. Aus den Meilensteinen auf dem Weg zum Ziel wurden Indikatoren abgeleitet, die in Form einer Blitzbefragung bei den Klientinnen zum Ende einer Krisenintervention erhoben wurden.

Angewandte Methoden:

8. Ergebnisse der Qualitätssicherung:

Die Ergebnisse der Blitzbefragung waren insgesamt sehr erfreulich. Die Blitzbefragung konnte schnell und ohne viel Aufwand durchgeführt und ausgewertet werden. Auf Basis der Indikatoren bot sie die Möglichkeit, die Erreichung der für die Krisenintervention formulierten Ziele zu überprüfen. Eine erste Erhebung belegt die Erfolge der Interventionen durch die Mitarbeiterinnen. Die Frauen, die die Krisenintervention in Anspruch nahmen,  hatten schnelle Hilfe erhalten, fühlten sich verstanden, aufgehoben, erleichtert, und die meisten sahen Lösungsmöglichkeiten für ihre Probleme. Bei vielen kehrte wieder Ruhe in ihr Leben ein und sie gaben an, wieder klarer denken zu können.

Bis auf eine offene Frage (ohne vorformulierte Antwortvorgaben), die in keinem Fall beantwortet wurde, sollten die geschlossenen Fragen (die eine Auswahl unter mehreren Antwortvorgaben zulassen) zukünftig beibehalten werden. Die Durchführung einer Fokusgruppe an Stelle der offenen Frage könnte ein Lösungsansatz sein.

Die positive Bilanz aus der Blitzbefragung dient Schutzengel e.V. Flensburg Nord außerdem als Beleg für die Umsetzung ihres Anspruchs auf eine überdurchschnittliche Erreichbarkeit.

9. Erfahrungen und Tipps:

Diese Form der Qualitätssicherung bietet, da sie von den Mitarbeiterinnen an der Basis erarbeitet wurde, stimmige und realistisch anwendbare Ergebnisse. Der Arbeitsaufwand des Teams war hoch, hat aber in der Folgezeit (und immer noch) häufig Arbeitsaufwand erspart, indem Teilprodukte dieses Arbeitsprozesses für Darstellungsprozesse genutzt oder zumindest zugrunde gelegt werden konnten.

10. Anschauungsmaterial / Dokumente zum Download

Blitzbefragung Krisenintervention (PDF-Datei)