Praxisbeispiel: Stricherprojekte

1. Titel: Fokusgruppen mit Strichern

Durchführungszeitraum: von April – September 1999

2. Beteiligte Einrichtung/en:

SUB/WAY berlin, Basis Projekt (Hamburg), Marikas (München), KISS (Frankfurt)

3. Autor:

Michael T. Wright (WZB)

3b. Wissenschaftliche Begleitung:

Durch die Forschungsgruppe Public Health, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)

4. Maßnahme der Prävention/Gesundheitsförderung, die qualitätsgesichert wurde:

Die Fokusgruppen fanden im Rahmen einer Prozessevaluation der deutschen Projekte, die mit männlichen Jugendlichen und jungen Männern in der mann-männlichen Prostitution arbeiten, statt. Die Evaluation war ein Kooperationsprojekt der Deutschen AIDS-Hilfe und des AKSD, des Arbeitskreises der deutschsprachigen Stricherprojekte. Gefördert wurde das Projekt durch die Deutsche AIDS-Hilfe. Die Evaluation wurde von Michael Wright durchgeführt.

Michael Wright verbrachte eine ganze Woche in jedem Projekt, um Daten für die Prozessevaluation zu erheben. Durch die Fokusgruppen konnten die Meinungen der Stricher (Nutzer) zu den Leistungen der Projekte in Erfahrung gebracht werden.

5. Zielsetzung der Qualitätssicherung:

Die Prozessevaluation sollte vor allem die strukturellen und prozessbezogenen Maßnahmen der Projekte untersuchen, um vergleichbare Daten für einen weiteren gemeinsamen Qualitätsentwicklungsprozess innerhalb des AKSD zu erzeugen. Die Fokusgruppen sollten neben Einzelinterviews die Perspektive der Zielgruppe in die Evaluation einbeziehen.

6. Nutzen:

Auf Grundlage der positiven Erfahrungen mit der Prozessevaluation haben die AKSD-Projekte beschlossen, gemeinsame Leitlinien für ihre Arbeit zu schreiben. Dies erfolgte auch in Zusammenarbeit mit der Deutschen AIDS-Hilfe und Michael Wright.

7. Methodisches Vorgehen:

Die Teilnehmer für die Fokusgruppen wurden von dem Wissenschaftler mithilfe der jeweiligen Projektmitarbeiter/innen gewonnen. Um die Teilnahme an der Fokusgruppe für die Zielgruppe interessant zu machen und eine entspannte Atmosphäre für das Gruppengespräch zu schaffen, hat der Wissenschaftler den potenziellen Teilnehmern angeboten, sie in einem Lokal ihrer Wahl zum Abendessen einzuladen. Dies wurde aus Forschungsmitteln bezahlt, die für die Durchführung der Fokusgruppen vorgesehen waren. Während des Essens fand das Gespräch statt. Das Gespräch wurde anhand eines Leitfadens strukturiert. Die Aussagen wurden von dem Wissenschaftler schriftlich festgehalten (auf einem Schreibblock) aber nicht aufgenommen. Die interviewten Jugendliche und jungen Männer haben ihre Aufgabe sehr ernst genommen, und haben Lokale ausgewählt, wo sie sich wohl fühlten und wo das Gespräch ungestört (von Freiern) stattfinden konnte.

8. Ergebnisse der Qualitätssicherung:

Die Aussagen der Fokusgruppenteilnehmer zeigten insgesamt eine große Zufriedenheit mit der Arbeit der Projekte. Es kamen aber auch spezifische Kritiken an einzelnen Mitarbeiter/innen bzw. Angeboten. Mehrere Teilnehmer hatten Erfahrungen in den verschiedenen Projekten, was interessante Vergleichsmöglichkeiten aus der Nutzerperspektive ergab.

9. Erfahrungen und Tipps:

  • Fokusgruppen sind auch bei Menschen möglich, die nicht in einem Stuhlkreis diskutieren wollen. Es ist wichtig, Orte und Formen zu finden, die der Lebenswelt der Zielgruppe passen. In diesem Fall handelte es sich um Lokale, die die Teilnehmer kannten, wo aber auch ein solches Gespräch stattfinden konnte.
  • Gruppengespräche nehmen wertvolle Zeit, die in diesem Fall von den Teilnehmern für das Anschaffen oder andere Tätigkeiten verwendet werden könnte. Aufwandsentschädigungen (wie in diesem Fall die Essenseinladung) anerkennen den Zeitaufwand und regen zur Teilnahme an.
  • Die Ansprache der potenziellen Teilnehmer als Experten und nicht als „Probanden“ schaffte eine gute Basis für das Gespräch. In diesem Fall sollten die Stricher aus ihrer Perspektive als Nutzer der Angebote über die Arbeit der Projekte berichten und diese Arbeit beurteilen. Viele Telnehmer äußerten sich positiv überrascht darüber, dass ein Wissenschaftler sie so anspricht und ihre Meinung ernst nimmt.

10. Anschauungsmaterial/ Dokumente zum Download: